AGERBRÜCKE

Die Agerbrücke am Nordende des Attersees war über Jahrhunderte die einzige Verbindung zwischen dem westlichen und östlichen Atterseegebiet. Wann die erste Brücke errichtet wurde, ist nicht bekannt, sie war aber sicher eine sehr einfache Holzbrücke. Die Ager war in früheren Jahrhunderten ein wichtiger Transportweg. Vor allem wurde Holz aus der Attergau-Region bis nach Wien und Budapest geflößt. Im Bereich der Agerbrücke wurden die großen Flöße des Attersees zerlegt und in kleinere Flöße für die Ager zusammengestellt.

1674
Die erste Ansicht einer Holzbrücke mit einer Mautstelle ist auf einem Kupferstich von Georg Mathäus Vischer aus dem Jahr 1674 zu sehen.

1810-1816
In napoleonischer Zeit wird der westliche Attergau dem Königreich Bayern eingegliedert. Die Grenze zwischen Bayern und Österreich verläuft mitten durch den Attersee und der Ager entlang. Damit liegt Schörfling in Österreich und Seewalchen in Bayern. Von 1810 bis 1816 ist die Agerbrücke damit Grenzbrücke zwischen diesen beiden Staaten.

1896
Die Holzbrücke ist uns nur noch von alten Zeichnungen und Fotos bekannt. 1896 muss sie umfangreich renoviert werden. Baumeister Franz Lösch erstellt dazu den Plan.

1913
Die Holzbrücke hat ausgedient. Von der Firma G. A. Wayss Beton- und Tiefbauunternehmen aus Linz stammt der Entwurf und die Errichtung der Eisenbetonbrücke über die Ager. Gustav Adolf Wayss ist ein Pionier im Eisenbetonbau. Die neue Brücke wird an gleicher Stelle errichtet. Während der Bauzeit läuft der Verkehr über eine Notbrücke. 1915 wird die Eisenbetonbrücke offiziell eröffnet und später auch noch um Gehwege erweitert. Die Brücke mit den beiden Bögen ist noch vielen Menschen in Erinnerung und findet sich auf vielen Fotos.

1939-1945
In der Zeit der Nationalsozialisten landet das Betonkruzifix, das die Bogenbrücke zierte, in den Fluten der Ager. Nach dem Krieg wird es geborgen und bei der Karl-Hausjell-Allee neu aufgestellt. Eine Kopie wird auf der Brücke errichtet und findet vor der Sprengung der Brücke 1972 seinen Platz beim Friedhof in Schörfling. Vor einigen Jahren fiel es einem Unglück zum Opfer.

1972
Die heute bestehende Brücke wird flussabwärts neben der Bogenbrücke errichtet und die Bogenbrücke anschließend gesprengt. Damit ist ein Wahrzeichen am Nordende des Attersees Geschichte.

BADEANSTALT

Die ehemalige Badeanstalt an der Ager wurde 1871 durch die neu gegründete Badeanstalt-Gesellschaft errichtet. Sie wurde auch Roitherbad genannt und diente vor allem der Körperpflege und weniger dem Freizeitvergnügen.

Die Badeanstalt hatte vier Räume für unterschiedliche Anwendungen. Die Räume waren nach Geschlechtern getrennt. In einem Raum befand sich der Heizkessel und über eine Innenstiege gelangte man in das Kaltwasser zum Schwimmen. Zwei Räume waren mit Badewannen zum Warmbaden ausgestattet. Sie dienten vor allem der Körperpflege. Ein Raum war älteren Damen zur Körperpflege vorbehalten. Auch dort befand sich eine Innenstiege in das kalte Wasser. Richtung Süden war der Badeanstalt eine Terrasse zum Baden in der Ager angeschlossen, die vor allem von der Jugend genutzt wurde.

1946 hatte das Gebäude ausgedient und wurde abgerissen. Die letzten Piloten wurden 1955 von der Feuerwehr entfernt.

WASSERSCHÖPF

Die Stelle „Wasserschöpf“ an der Ager verweist darauf, dass an dieser Stelle die Schörflinger das Wasser der Ager für verschiedene Zwecke genutzt haben.

Schwemmhütte
In der Schwemmhütte wurde die frisch gewaschene Wäsche geschwemmt. Da an Dienstagen in einer nahegelegenen Fleischhauerei geschlachtet und über einen Kanal Abwässer oberhalb der Schwemmhütte in die Ager eingeleitet wurde, war es an diesen Tagen verboten, zu schwemmen. Der Waschbetrieb erfolgte bis in die späten 1960er Jahre. Der Ruderclub des SK Kammer nützte die Hütte noch für einige Jahre als Unterstand für seine Boote. Die Schwemmhütte wurde in den 1970er Jahren beim Bau der Attersee-Ringkanalisation abgerissen.

Badeplatz
Die Rasenfläche beim ehemaligen Gasthaus Stabauer wurde von den Badegästen genützt. In der Nähe wurden früher auch Flöße für die Ager zusammengestellt.

FLÖSSEREI

Holz aus den Attergauer Wäldern war wegen seiner Mächtigkeit sehr begehrt. Die starken und hochgewachsenen Bäume wurden sogar für den Hochseeschiffsbau eingesetzt. Sie wurden bis zur Schiffswerft in Budapest geflößt. Seit Urzeiten war der Wasserweg der bevorzugte Transportweg. Bahn- und LKW-Verkehr löste erst im 20. Jahrhundert diesen Transportweg ab.

Mehrere Holzhändler, wie die Familie Salfinger oder die Familie Peyer aus Attersee, kamen im 19. Jahrhundert zu großem Wohlstand. Die Familie Peyer betrieb in Wien einen Holzumschlagsplatz und lieferte das Rüstholz zum Bau der Kettenbrücke in Budapest. Die Familie Salfinger belieferte die Budapester Schiffswerft mit langen Tannenbäumen.

Das Holz kam vor allem aus den großen Wäldern am Südende des Attersees. Die Bäume wurden dort zu großen Flößen zusammengestellt und so über den See bis zum Agerausfluss geflößt. Dort wurden die Flöße in kleinere Einheiten zerlegt, um über die Ager geflößt zu werden.

Dort stand oft Floß an Floß, so dass man den Ausfluss der Ager beim Seewirt trockenen Fußes über die bereit stehenden Flöße überschreiten konnte“, schrieb der Lehrer Bocksleitner 1929 im Seewalchener Heimatbuch. Am Agerausfluss erinnert das Flößerdenkmal an die schwere Arbeit der Flößer. Die weiteren Umschlagsplätze waren dann Stadl-Paura an der Traun und Zizlau (heute VÖEST-Gelände) an der Donau.

Nicht nur Wien und Budapest waren das Ziel der Flöße, sondern auch die vielen lokalen Sägewerke an der Ager. Bis etwa Mitte der 1950er Jahre wurde die Flößerei betrieben, dann löste der Transport mit dem LKW die Flößerei endgültig ab.

Bei den Mühlen und Wehren wurden sogenannte „Floßgassen“ eingerichtet, um eine ungehinderte Durchfahrt der Flöße zu gewährleisten. Die Öffnung dieser Floßgassen war immer ein Streitpunkt und wurde mit Verordnungen geregelt.

Die Flößer waren seit dem Mittelalter in der Schörflinger Bruderlade organisiert. Ihr Schutzheiliger war der hl. Nikolaus. Die mächtige Flößerfahne wird noch heute bei kirchlichen Festen von drei Männern getragen.

FRAUEN-KONZENTRATIONSLAGER LENZING-PETTIGHOFEN

Während des Zweiten Weltkrieges sprach sich der damalige Vorstandsvorsitzende der Lenzinger Zellwolle & Papierfabrik AG dafür aus, dass Häftlinge aus den Konzentrationslagern direkt für die Industriebetriebe eingesetzt werden. Daher wurde am 30. Oktober 1944 ein Außenlager des KZ-Mauthausen für Frauen in den intakten Gebäuden der Papierfabrik eingerichtet. Etwa 570 Frauen, fast ausschließlich junge Jüdinnen, die erst wenige Wochen bis Monate vorher nach Ausschwitz deportiert worden waren, wurden in Folge in das Lenzinger Lager gebracht, das bis 5. Mai 1945 bestand.

Die Mehrzahl der weiblichen Häftlinge war in der Produktion beschäftigt, 36 Frauen arbeiteten in drei Schichten zu je zwölf Frauen in der Viskose-Abteilung, wo die Arbeits- und Umweltbedingungen am schlechtesten waren. Den KZ-Häftlingen wurden z.B. die Sicherheitsmaßnahmen wie Gesichts- und Mundschutz verweigert, des Weiteren bekamen sie keine Milch zur Entgiftung nach dem Einatmen der gefährlichen Dämpfe. Die offiziellen Essensrationen für die Gefangenen – etwa 1000 Kalorien pro Tag – reichten für die schwere Arbeit nicht annähernd aus.

Die Unterbringung der weiblichen Häftlinge erfolgte in der aufgelassenen Papierfabrik Pettighofen. Das Lagergebäude – die alte Papierfabrik – war an der Frontseite mit einer Mauer und an den drei übrigen Seiten mit Stacheldraht umzäunt. In der Maschinenhalle waren etwa 300 Frauen untergebracht, die restlichen ca. 200 Frauen in Nebenräumen. Es gab des Weiteren ein Krankenrevier, die Aborte waren in einem Holzschuppen.

Für die Bewachung waren SS-Männer wie auch SS-Aufseherinnen zuständig. Die Aufseherinnen waren teils ehemalige Angestellte der Zellwolle, teils Zivilangestellte, die der Gefolgschaft der SS angehörten. Die „Lagerältesten“ der Häftlinge hatten eine gewisse Sonderstellung. Sie vermittelten zwischen der SS und den Häftlingen, um für sich, aber auch für die anderen inhaftierten Frauen Verbesserungen zu erzielen (z.B. kein Arbeiten in der Fabrik, dafür Schreibarbeiten oder andere Funktionen im Lager).

Obwohl die Überlebenschancen im Außenlager Lenzing-Pettighofen vergleichsweise hoch waren, so mussten die Frauen trotzdem viel Leid über sich ergehen lassen. Einerseits die schwere und gesundheitsschädigende Arbeit, andererseits Hunger und Kälte und die Erniedrigungen durch das Wachpersonal.

Für das KZ Lenzing Pettighofen sind im Totenbuch von Mauthausen neun Todesfälle verzeichnet: fünf Frauen kamen bei einem Eisenbahnunfall ums Leben, der, wenn nicht mit Absicht, dann auf grobe Fahrlässigkeit des Wachpersonals zurückzuführen ist. Bei den anderen vier Frauen wurde als Todesursache in den Aufzeichnungen „Kreislaufschwäche“ festgehalten, was in Lageraufzeichnungen üblicherweise auf eine Ermordung schließen lässt. Ehemalige Häftlinge des Lagers konnten jedoch über keine beabsichtigten Tötungen berichten.

Am 5. Mai 1945 wurde das Lager von den amerikanischen Truppen befreit.

PAPIERFABRIK PETTIGHOFEN

Die 1891 von Emil Hamburger erworbene Papiermühle in der Au wird abgerissen und wird als Papierfabrik Pettighofen neu aufgebaut. Sie geht am 1. August 1896 in Betrieb. Die miterworbene Fellingermühle wird zu einem Wohnhaus für Werksangestellte umgebaut.

Schwerer Beginn
Der Arbeitsalltag ist um 1900 sehr schwer. Ein 12-Stunden-Tag an 330 Arbeitstagen ist unter schwierigen Arbeitsbedingungen eine große Belastung. Der Verdienst ist so gering, dass meist auch Frauen und Kinder in der Fabrik arbeiten müssen. Immer wieder kommt es zu schweren Arbeitsunfällen, die durch Übermüdung und Umgehung von behördlichen Vorschriften verursacht werden. Ein Eintrag in der Seewalchener Gemeindechronik von 1905 vermerkt, dass diese Fabrik den Beinamen „Krüppelfabrik“ erhalten hat. In diesem Jahr organisieren sich die Arbeiter in Pettighofen, um bessere Bedingungen zu erreichen. Die Gruppe Lenzing des Verbandes der „Papier-Chemische- und Gummiindustriearbeiter Österreichs“ wird gegründet; ein Jahr später der „Verband der Holzarbeiter“ in Schörfling.

1907
Aus der OHG wird die Lenzinger Papierfabrik AG mit einer neuen Besitzerstruktur. Diese Umstrukturierung hat zur Folge, dass die Anlagen modernisiert und ausgebaut werden. Diesen Aufschwung nutzen die Arbeiter, um den Forderungen nach humaneren Arbeitsbedingungen Nachdruck zu verleihen.

Erster Weltkrieg und Nachkriegszeit
Der Erste Weltkrieg macht die mühsam errungenen Verbesserungen zunichte und auch der 10-Stunden-Tag geht wieder verloren, zudem herrscht ein großer Arbeitskräftemangel. 1919 findet eine Hungerdemonstration der Arbeiter der Fabrik Pettighofen, Lenzing und Raudaschlmühle wegen der stark gestiegenen Lebensmittelpreise vor der Bezirkshauptmannschaft in Vöcklabruck statt. Anschließend kommt es zu Lebensmittelplünderungen in Gasthäusern, einigen Villen am Attersee, im Seehof und im Meierhof des Schlosses Kammer. Ab 1930 wird die Weltwirtschaftskrise spürbar. 1932 schließt die Fabrik Pettighofen vorübergehend. Es ist zwar eine kurzzeitige Beschäftigung möglich, aber viele Arbeitnehmer bleiben jahrelang arbeitslos. 1935/36 erhält die Bunzl Holding Gesellschaft die Aktienmehrheit der Papierfabriken in Lenzing und Pettighofen.

Das Ende
Am 12. März 1938, als deutsche Truppen in Österreich einmarschieren, bricht in der Lenzinger Papierfabrik ein Großbrand aus. Die Bunzl AG muss ihre Fabriken an die Thüringische Zellwolle AG zwangsverkaufen, die Anlagenteile aus Pettighofen werden für den Wiederaufbau in Lenzing verwendet und die Papierfabrik Pettighofen wird geschlossen. Ab Oktober 1944 wurde das Gebäude als Nebenlager des KZ Mauthausen für die Inhaftierung von etwa 570 Frauen zweckentfremdet. Nach dem Krieg nutzt noch die Verbandsmaterialfirma Starsana die Werksgebäude, bevor sie ab 1965 geschleift werden.

 

BURGSTALL

„Burgstall“ ist eine alte Bezeichnung für einen Geländesporn oberhalb der Ager bei Unterachmann. Die topografisch auffällige Form veranlasste in den Jahren 2014 und 2015 Archäologen dazu, das Gelände näher zu untersuchen.

Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Timothy Taylor vom Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien und mit Unterstützung des Landes Oberösterreich untersuchte ein Grabungsteam die Ebene auf dem Geländesporn. Im Frühjahr 2014 wurden Bodenuntersuchungen durchgeführt. Die Untersuchung der Grabungsfläche mittels Georadar und Geomagnetik brachte Aufschluss über die potentielle Existenz archäologisch interessanter Befunde.

Die untersuchte Fläche liegt in etwa 495 m Höhe uüber der Adria am nordöstlichen Ende eines 200 m langen und 25 bis 30 m breiten Terrassensporns. Von Osten war der Sporn ehemals vermutlich eben zugänglich.

Die Funde sind aufgrund des sauren Bodenmilieus in einem eher schlechten Erhaltungszustand. Es handelt sich dabei u. a. um Keramikfragmente und Artefakte aus Silex (Kratzer, Schaber, Pfeilspitze aus Feuerstein) und Felsgestein (Klopfstein, Klingenfragment eines Flachbeiles).

Die Auswertung des keramischen Materials ist in typologischer Hinsicht wahrscheinlich einer oder mehreren Siedlungsphasen des Spätneolithikums zuzuweisen, wobei vor allem ein Fragment mit einer dreifachen, sehr flachen und zarten Leistenverzierung bemerkenswert ist. Denkbar wäre dafür eine Datierung ab der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr., was einer späten Phase der Besiedlung der Ufer des Attersees entsprechen könnte und dem Fundort eine dementsprechend hohe Relevanz verleiht. Neben den Funden weisen auch Befunde im Erdreich auf eine spätneolithische Siedlungstätigkeit hin. Aufgefunden wurde der Rest eines Abschnittsgrabens, in dessen oberen Verfüllungsschichten ein frühmittelalterliches Keramikfragment gefunden wurde. Es kann also davon ausgegangen werden, dass dieser Graben im Frühmittelalter zumindest teilweise offen stand. Als Errichtungszeitpunkt des Grabens kommt neben einer mittelalterlichen auch eine urgeschichtliche bzw. kupferzeitliche Zeitstellung in Frage.

Zumindest größtenteils sicher in die Kupferzeit datierbar sind zahlreiche Gruben. Die runden Gruben sind typische Silos zur Lagerung von Saatgetreide, während etwas größere, oval-rechteckige Objekte durchaus als Erdkeller bezeichnet werden können und ebenfalls zu Lagerungszwecken gedient haben. Zusätzlich ließen sich Holzkohle- und Brandlehmeinschlüsse in den Gruben nachweisen, was auf einen Brand ehemaliger Holzbauten, die mit Lehm verstrichen wurden, zurückzuführen ist. Während der Grabungskampagne 2014 wurden hunderte Erdproben entnommen und mit Wasser flotiert, um verkohlte Pflanzenreste zu extrahieren. Über die C14-Datierung der Pflanzenreste konnten mindestens zwei Phasen – eine um 3.700 oder 3.600 v. Chr., die der sog. Mondsee-Kultur angehört, und eine jüngere Phase um 2.900 v. Chr. – nachgewiesen werden. Möglicherweise existierte auch eine dritte, ältere Phase um 4.000 oder 3.900 v. Chr. – wobei für die Absicherung noch weitere Analysen notwendig sind.

 

INDUSTRIEGESCHICHTE Lenzing

Die Geschichte der heutigen Lenzing AG beginnt mit dem Papierindustriellen Emil Hamburger, der von 1891 bis 1894 vier bestehende Mühlen an der oberen Ager erwirbt und diese zu zwei Zellstoff- und Papierfabriken ausbaut. Am Standort der ehemaligen Starlingermühle entsteht die Zellstoff- und Papierfabrik Lenzing und am Standort der ehemaligen Papiermühle in der Au die Papierfabrik Pettighofen. Die erworbene Fellingermühle dient als Wohnstätte für Werksangehörige, während die Raudaschlmühle als Sägewerk und ebenfalls als Wohnstätte verwendet wird.

1907-1938
1907 werden Hamburgers Unternehmen an der Ager in die Papierfabrik Lenzing Aktiengesellschaft eingebracht. Die Aktienmehrheit übernimmt die Anglobank. Danach wechseln die Mehrheitseigentumsverhältnisse mehrmals, bis 1935/36 die Bunzl-Konzern-Holding AG aus der Schweiz die Mehrheit des Aktienkapitals übernimmt. Dieser Übernahme folgt eine Modernisierung und Vergrößerung der Zellstoffproduktion. In Betrieb genommen wird die umgebaute Zellstofffabrik am 7. März 1938, drei Tage vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

1938-1945
Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten wird die jüdische Familie Bunzl de facto enteignet und der Plan zur Errichtung einer Zellwolleproduktion umgesetzt. Ein wahrscheinlich gelegter Brand vernichtet die Papierfabrik unmittelbar nach dem Einmarsch. Noch vor der formellen Übernahme der Papierfabrik Lenzing durch die Thüringische Zellwolle AG wird am 21. Mai 1938 die Zellwolle Lenzing Aktiengesellschaft gegründet. Die zuvor abgebrannte Papierfabrik wird wieder aufgebaut. Die Papierfabrik Pettighofen wird stillgelegt und die Maschinen werden nach Lenzing übersiedelt.

1940 werden beide Firmen zusammengelegt und in Lenzinger Zellwolle- und Papierfabrik Aktiengesellschaft umbenannt. Sowohl die Zellwollefabrik als auch die Papierfabrik müssen der Kriegswirtschaft dienen. In der Folge wird 1944 in Pettighofen ein Nebenlager für Frauen des Konzentrationslagers Mauthausen errichtet. Die KZ-Häftlinge werden wie zahlreiche andere Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen vom Nazi-Regime im Werk Lenzing eingesetzt. Gegen Ende des Krieges muss die Zellwolleproduktion aufgrund von Rohstoffmangel eingestellt werden.

1945-1969
Die Siegermächte können überzeugt werden, dass die Zellwollproduktion für die österreichische Textilindustrie von Bedeutung ist und so kommt es mit Bankenunterstützung zur Wiederaufnahme der Produktion. 1949 wird die Zellstoff- und Papierfabrik dem früheren Besitzer Bunzl & Biach AG rückerstattet. Die Zellwolle Lenzing AG und die Lenzinger Zellulose und Papierfabrik AG erfahren einen Aufschwung. 1969 werden beide Betriebe durch Übernahme zusammengeführt.

Seit 1969
Durch die permanente Entwicklung neuer Naturfasern erlangt das Unternehmen eine Marktführerschaft, die bis heute anhält. Seit dem Jahr 1984 ist der Name Lenzing AG eingetragen und 1985 erfolgt der Gang an die Börse.

NATURRAUM

Die Ager ist 36 km lang und entwässert den Attersee, den Mondsee, den Irrsee, den Fuschlsee und deren Zuflüsse. Direkte Zuflüsse in die Ager sind der Steinbach, der Kraimser Bach, die Vöckla, die Aurach, der Redlbach und der Staiger Bach. Das Einzugsgebiet beträgt am Atterseeausfluss 463,5 km2, bis zur Mündung in die Traun werden gesamt 1.261,4 km2 entwässert. Die Ager mündet bei Stadl-Paura in die Traun. Entstanden ist die Ager nach dem Ende der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) vor rund 10.000 Jahren. Sie war der Hauptabfluss der Gletscher im Attergau.

Der Seeabfluss wird durch eine 1973 errichtete Klauswehranlage geregelt. Die Anlage dient zur Stabilisierung des Seewasserspiegels und der Dämpfung von Hochwasserspitzen.

Wasserqualität
Wasser ist der wichtigste Stoff des Lebens. Alle Lebewesen sind darauf angewiesen. Aufgrund der Errichtung von Kläranlagen in den 1970er Jahren wurde wieder eine hohe Wasserqualität erreicht, die unter anderem eine umfangreiche Artenvielfalt im Wasser wie auch in den Auen ermöglicht.

Erholungsraum
Besonders die Badeplätze entlang der Ager sind bei der Bevölkerung – ob Jung oder Alt – sehr beliebt und werden gerne als Erholungsraum genutzt. Im Schatten vieler Uferbäume und im ruhigen Gewässer lassen sich die hohen Sommertemperaturen gut ertragen. Familien mit Kindern freuen sich auch über den großen Spielplatz. Während des ganzen Jahres kann man am Agermühlenweg – von Kammer bis Lenzing – gemütlich spazieren gehen und den Wandel der Jahreszeiten in der Natur beobachten.

Flora & Fauna
Aufgrund der dichten Besiedelung und intensiven Nutzung entlang des Agerufers, sind die Rückzugsgebiete für manche Tiere und Pflanzenarten eher klein gehalten. Es gibt aber noch so manchen „ursprünglichen“ Flecken im Gemeindegebiet. Der Biber hat vor einigen Jahren wieder Einzug gehalten, genauso findet der aufmerksame Beobachter den Eisvogel, Flussregenpfeifer oder den Gänsesäger in den Auen.

Fischerei
Die Ager gehört zu den fischreichsten Flüssen Österreichs, hat für die Fischerei seit jeher eine wichtige Bedeutung und ist bei Fischern ein beliebtes Gebiet. So erfreuen sie sich über Äschen, Bachforellen, Regenbogenforellen und Seeforellen. Hechte, Aitel, Barben, Saibling oder Karpfen sind ebenfalls anzutreffen. Aufgrund von Wehranlagen und Kraftwerken wurden in den letzten Jahren Fischaufstiegshilfen errichtet.

WIRTSCHAFTSRAUM

Die Ager ist nicht nur ein wichtiger Naturraum, sondern auch von wirtschaftlicher Bedeutung. Als Transportweg und Energielieferant dient sie seit Jahrhunderten der heimischen Wirtschaft.

Industriegeschichte
Bereits im Frühmittelalter gab es Mühlen an der Ager, was auch in der Chronik des Klosters Mondsee (Chronicon Lunaelacense) belegt ist (807 n. Ch.).

Ein gescannter Auszug aus einem lateinischen Manuskript mit fettgedruckten Namen und einem dekorativen Großbuchstaben am Anfang.

Die hier im Pavillon beschriebenen Mühlen und Sägen sind alle zumindest seit dem 16. Jh. bekannt. Der Name „Siebenmühlen“ ist nicht historischen Ursprungs, vielmehr wurde 1884 die Bahnstation so benannt, mit Bezug auf die Mühlen an der oberen Ager. In früheren Urkunden wurde dieser Agerabschnitt als „Mühlthal“ bezeichnet.

Die reiche und relativ konstante Wasserführung begünstigte bereits seit Jahrhunderten die Ansiedlung von Wirtschaftsbetrieben, dazu zählen diverse Mühlen, holzverarbeitende Betriebe und in weiterer Folge Papierfabriken. 1938 wurde die Zellwolle Fabrik gegründet, die Vorläuferin der heutigen
Lenzing AG.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ager kommt vor allem am Ende des 19./Anfang des 20. Jh. zu tragen. Zellulose und Holzstoff aus den Papierfabriken in Lenzing und Pettighofen wurden zum Teil exportiert. Exportiert wurde per Dampfschiff nach England, Italien, in die Balkanländer, in den Nahen und Fernen Osten und nach Übersee.

Transportweg
Flüsse gehörten in den früheren Jahrhunderten zu den wichtigsten Transportwegen. Diese verloren erst durch den Schienen- und LKW-Verkehr an Bedeutung. Über die Ager wurde vor allem Holz in Form von Flößen transportiert. Auf diesen Flößen wurden oft auch andere Waren mitbefördert.

Energielieferant
Die Wasserkraft der Ager wird heute für die Stromerzeugung genutzt. An der Ager gibt es eine Fülle von kleineren industriellen und privaten Wasserkraftwerken, die zum Teil erst in den letzten Jahren ausgebaut wurden. Bevor Strom als Energiequelle zur Verfügung stand, wurde die Wasserkraft mit Hilfe von Wasserrädern für den Antrieb von Transmissionen genutzt, über die Mühlen, Sägewerke und viele andere Maschinen angetrieben wurden.

AUGSBURGERSÄGE

Schwarz-weißes Diagramm eines mechanischen Fördersystems mit Rollen, Riemen und einem Motor.

Sägewerke im 20. Jahrhundert waren mit Gattern ausgestattet, die mit mehreren Sägeblättern bestückt waren. Vor dem 20. Jahrhundert waren diese mit nur einem Sägeblatt bestückt.

Das Prinzip der mechanischen Einblattsäge ist seit dem Mittelalter bekannt und wurde über die Jahrhunderte weiterentwickelt.

Heute sind diese Einblattsägen vor allem unter dem Sammelbegriff VENEZIANERSÄGE bekannt, obwohl zwei wesentliche Bauarten der Einblattsäge existierten, nämlich die Bauart, die nach der Stadt Augsburg „Augsburgersäge“ benannt ist und eben jene Bauart, die nach der Stadt Venedig „Venezianersäge“ benannt ist. Auch Mischtypen sind bekannt. Die Augsburgersäge war vor allem nördlich der Alpen anzutreffen, während die Venezianersäge südlich der Alpen und im Gebirge beheimatet war.

Die wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale sind:
Die Augsburgersäge wird von einem langsam laufenden oberschlächtigen oder unterschlächtigen Wasserrad angetrieben und braucht daher ein Übersetzungsgetriebe. Die Venezianersäge wird ohne Übersetzungsgetriebe von einem schnelllaufenden Wasserrad (einem sogenannten Waschel) angetrieben. Der Spannwagen, auf dem sich das Bloch befindet, läuft bei der Augsburgersäge auf eigenen Rollen und wird über einen Zahnradantrieb vorgeschoben. Bei der Venezianersäge wird dazu ein einfacher Seilzug verwendet und der Spannwagen läuft auf im Boden eingebauten Walzen.
Die hier ausgestellten Teile einer Augsburgersäge gehörten zum Sägewerk, das Josef und Johanna Wenger 1885 (siehe Eintrag auf dem Sägerahmen) bei der Stinglmühle errichten ließen und das 2017 durch ein Kleinkraftwerk ersetzt wurde. 1890 wurde auch in der Steinmühle eine Augsburgersäge eingebaut.

FUNKTIONSWEISE einer AUGSBURGERSÄGE:
Das oberschlächtige langsam laufende Wasserrad b treibt das auf dem Wellbaum c sitzende Stirnrad d, das wiederum das Kammrad e auf der durch die Übersetzung schnelllaufenden Kurbelwelle h mit dem Schwungrad f antreibt. Der Exzenter g an der Kurbelwelle verursacht über die Pleuelstange i die
Ab- und Aufwärtsbewegung des Sägerahmens j, der im Gatterständer k gleitet. Das eingespannte Sägeblatt schneidet bei der Abwärtsbewegung das Bloch l, das auf dem Spannwagen fix montiert ist.
Durch die Aufwärtsbewegung des Sägerahmens j wird über eine Stange s die Vorschubwelle t leicht nach rechts verdreht und damit bewegt der Kulissenarm u die Stoßstange v sowie das Setzrad p nach links. Auf der Setzradwelle befindet sich das Stockrad q, das in die Zahnstange r des Spannwagens n eingreift und diesen Richtung Sägeblatt bewegt. Bei der Abwärtsbewegung des Sägerahmens erfolgt der Schnitt und die Vorschubwelle t wird wieder rückgestellt. Der Sperrhebel y verhindert das Zurückgleiten des Setzrades p.

DIE REISE EINES WASSERTROPFENS VOM ATTERSEE INS SCHWARZE MEER

Die Ager, ein beschauliches Flüsschen, entstand vor ca. 10.000 Jahren nach der letzten Eiszeit und nimmt ihren Ursprung am Nordende des Attersees.
Da der Attersee auch vom Fuschl-, Irr- und Mondsee gespeist wird, hat der „Wassertropfen“ unserer Geschichte aber genaugenommen bereits einen längeren Weg hinter sich. Man vermutet, dass sich der Name Ager vom keltischen „Agria“ ableitet, was so viel wie „schnell treiben“ bedeutet und auf die starke Strömung hinweist. Die Ager hat eine durchschnittliche Breite von 40 m und eine Wassertiefe zwischen 70 und 200 cm. Die Wasserführung liegt bei ca. 16 m³/Sek., die durchschnittliche Temperatur im Sommer beträgt 18 °C.

Die Ager gehört aufgrund der sehr hohen Wassergüte zu den fischreichsten Flüssen Österreichs. Ebenso sind viele verschiedene Vogelarten in ihren Auen zu finden und seit geraumer Zeit auch wieder der Biber.

Die Ager hat auch eine wichtige historische Bedeutung. So war sie bereits ca. 4000 v. Chr. Lebensraum für Menschen, ebenso während der Römerzeit. Im 6. Jh. n. Chr. ließen sich dann die Bajuwaren an ihren Ufern nieder. Von 1810 bis 1816, während der Regierungszeit Napoleons, war die Ager übrigens Staatsgrenze zwischen Österreich und Bayern.

Die reiche und relativ konstante Wasserführung begünstigte bereits seit Jahrhunderten die Ansiedlung von Wirtschaftsbetrieben, dazu zählen diverse Mühlen, holzverarbeitende Betriebe und in weiterer Folge Papierfabriken. 1938 wurde die Zellwolle Fabrik gegründet, die Vorläuferin der heutigen Lenzing AG.

Bis zum Anfang des 20. Jh. spielte auch die Flößerei eine wichtige Rolle. Holz aus dem Attergau wurde so zu den Betrieben an der Ager und weiter zu den Städten an der Donau bis nach Ungarn transportiert. Des Weiteren wird die Ager auch von mehreren Laufkraftwerken zur Energieerzeugung genutzt.

Somit ist die Ager seit jeher eine nicht zu unterschätzende Lebensader.

Vom Nordende des Attersees nimmt der Tropfen nun seinen Weg, bis er schließlich nach 36 km bei Lambach in die Traun mündet. Die Traun wiederum mündet in die Donau, dem zweitlängsten Fluss Europas, der auf insgesamt 2.857 km durch zehn Länder Mittel- und Osteuropas fließt.

Die Reise unseres Wassertropfens führt ihn durch Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine, vorbei an vier Hauptstädten (Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad) und einzigartigen Landschaften wie das nördliche Alpenvorland, das Wiener Becken, die Pannonische Tiefebene oder das Walachische Tiefland. Berühmt sind auch die Wachau, die Hainburger Pforte oder das Eiserne Tor. Nach 44 Tagen endet die Reise unseres Wassertropfens, denn nun mündet die Donau in das Schwarze Meer.