STINGLMÜHLE

Die Stinglmühle, auch Schockmühle, eigentlich Lachstampfmühle an der Ager, ehemalige Adresse Oberachmann 1, jetzt Siebenmühlenweg 1, war eine Sagmühle, gelegen zwischen der Raudaschlmühle und der Steinmühle.

Der Name Lachstampfmühle lautete ursprünglich Lochstampfmühle (Lohstampfmühle). Eine Lohstampfmühle zerkleinerte Fichten-, Tannen- und Eichenrinden, um das notwendige Gerbmittel Tannin für die Lohgerberei zu gewinnen. In einer Lohgerberei wurden Rinderhäute zu grobem Leder, z. B. für Schuhsohlen oder Sättel verarbeitet, wo das Leder nicht so elastisch sein musste.

1596
In der Holzdecke eines Raumes der Stinglmühle ist die Jahreszahl 1596 erkennbar, die Mühle existiert aber schon länger. 1581 wird als Besitzer Sigmund Leidinger und 1615 Martin Jungwirt erwähnt.

1690-1830
Ein Sohn von der Kapellermühle (Raudaschlmühle) heiratet in die Stinglmühle ein. 1738 heiratet eine Tochter der Familie Kapeller Johann Schock. Die Familie Schock, von der der Name „Schockmühle“ stammt, bleibt bis 1830 im Besitz der Mühle.

1830
Joseph Wenger erwirbt 1830 die Lachstampfmühle. 1844 erhält sie laut Jahreszahl im Türstock das heutige Aussehen.

1870
Der bekannteste Inhaber dieser Mühle ist Josef Wenger, Sohn von Joseph, Reichsrats- und Landtagsabgeordneter sowie von 1885 bis 1894 Bürgermeister der Gemeinde Oberachmann. Er übt eine Reihe weiterer Funktionen in Politik und Wirtschaft aus. Zu seiner Zeit (1885) wird die hier im Pavillon noch in Teilen erhaltene Augsburgersäge (eine Einblattsäge wie die Venezianersäge) eingebaut.

1911-1948
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Familie Stallinger (von der Kleinmühle) auch Besitzer dieser Mühle, verpachtet sie aber Josef Stingl, von dem der heutige Hausname Stinglmühle stammt. Der letzte Stallinger, Friedrich, ist als „Stingl Fritz“ bekannt.

1948-2014
Die Familie Kastenhuber, die aus Deutschland kommt, erwirbt und betreibt die Mühle und das Sägewerk. Der Mühlenbetrieb wird 1964 eingestellt. Danach dient das Gebäude dem Transport- und Baggerunternehmen der Familie Kastenhuber.

2014
Die heutige Besitzerfamilie Hiebl renoviert das Anwesen vorbildlich und ersetzt die alte Säge durch ein 25-kWh-Kleinkraftwerk.

Quelle: www.atterwiki.at
Foto links: Stinglmühle 1895, Quelle: Archiv der Marktgemeinde Lenzing
Foto oben: Stinglmühle 2018, Quelle: Franz Hauser